Ein Promille in Mirissa

Wir haben uns wirklich schon lange auf Mirissa gefreut, allerdings nicht wegen dem schönen Strand oder der vielen Bars, sondern weil Eva, endlich, nach fast einem Jahr, ihren Nichtgeburtstag feiern konnte und ihren „Einmaliges-Reiseerlebnis“-Gutschein eingelöst hat. Ein lang gehegter Traum geht in Erfüllung: Whale Watching!

Dafür steht man doch gerne (viel zu früh) auf! Wagemutig haben wir die Medikamente gegen Seekrankheit abgelehnt und sind voller Vorfreude mit 40 anderen Walfreunden an Bord gegangen. Vor allen anderen Booten legen wir im Hafen ab und steuern direkt aufs offene Meer zu, um so schnell wie möglich tiefere Gewässer zu erreichen. Nach einer guten Stunde war es dann soweit: wir konnten die ersten 10-20m hohen Fontänen am Horizont entdecken. Unsere Crew steuert in die entsprechende Region … bis zu fünf Fontänen gleichzeitig steigen rund um uns inzwischen auf … und dann war es soweit: „Blue Whale on three o’clock!“

WOW! Im ersten Moment konnten wir gar nicht glauben was wir da sahen. Das riesengroße Tier schwamm nur wenige Meter neben unserem Boot in aller Seelenruhe an der Oberfläche. Am Boot wurde es still, der Motor wurde ausgemacht und man konnte über das laute tosen der Wellen das Atmen des majestätischen Tieres hören. Nach einigen Minuten verschwindet es wieder in den Tiefen des Meeres, bis es das nächste Mal Luft holen muss.

Von da an überschlugen sich die Sichtungen. Links – rechts – vorne – hinten, wir könnten gar nicht so schnell von 11:00 Uhr nach 03:00 Uhr laufen, wie die Wale rund um uns herum auftauchten. Mit sehr viel Rücksicht auf die Tiere manövrierte unser Boot durch die Wellen und versuchte ständig, sich von anderen Booten, die sich schon an unseren Fersen gehängt hatten und auf Hetzjagd nach den Walen waren, fernzuhalten. Anhand der Schwanzflossen, die ab und zu beim Abtauchen in die Höhe ragen, kann man die Wale voneinander unterscheiden. Insgesamt 10 Tiere haben wir gesichtet. Wir könnten unser Glück gar nicht fassen. Als die anderen Boote schließlich aufgeholt hatten beschloss unser Kapitän aus Rücksicht den Rückweg anzutreten. Wir sind sprachlos … was für ein Erlebnis.

Man muss jetzt hier mal sagen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass man auch nur einen einzigen Wal zu Gesicht bekommt, selbst wenn man wie wir mit einer professionellen Agentur zur rechten Zeit am rechten Ort ist. Wir hatten unglaublich viel Glück! Von einem Blauwalfan wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass wir an diesem Tag wohl in etwa ein Promille der weltweiten blauwal-Population auf einen Schlag gesehen haben (Forscher sind sich nicht ganz sicher, wie viele Tiere es tatsächlich noch gibt), einfach unglaublich.

Eigentlich wollten wir nur zum Whale Watching hierher, aber unsere gemütliche Unterkunft und der schöne Strand haben uns dann doch überzeugt, einen Tag länger zu bleiben. Normalerweise ist Mirissa ein Partystrand, an dem die ganze Nacht weder die laute Musik noch das Licht ausgeht, aber unter den momentanen Umständen ging’s sehr ruhig zu.

Man hat das Gefühl, die Menschen sind inzwischen ein wenig verunsichert. Die nächtliche Ausgehsperre wird weiterhin verhängt, es werden immer noch täglich Waffen gefunden und viele Menschen verhaftet (inzwischen fast 200), die Polizei- und Militärpräsenz ist enorm. Inzwischen hat Sri Lanka internationale Unterstützung für die Aufklärung der „Easter Bombings“ erhalten. Man fragt sich, was diese extremistische(n) Gruppe(n) vorgehabt haben, oder noch vorhaben. Der IS hat sich inzwischen zu den Anschlägen bekannt, und man hört immer wieder von Einheimischen „die Muslims waren’s“.  Traurig und bedenklich, dass jetzt die ganze muslimische Glaubensgemeinschaft Sri Lankas für diese Vorfälle verantwortlich gemacht wird.  Muslims werden inzwischen sogar aus ihren Häusern vertrieben und in den muslimischen Osten des Landes in Sicherheit gebracht.

Im Süden des Landes, wo wir vorerst bleiben, gab es keine Vorfälle und wir fühlen uns weiterhin sicher. Als nächstes geht’s an einen abgelegenen Strand, nach Hiriketiya, wo wir weiterhin die Füße still (in den Sand) halten werden.

 

25.04.2019 – 28.04.2019

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