Medellin – Eine Stadt im Wandel

Nachdem unsere Busfahrt von Salento noch Medellin, statt den angegebenen 6 Stunden, einfach mal fast doppelt so lange gedauert hat, sind wir – etwas gerädert und sehr hungrig – erst nach Einbruch der Nacht in unserem Hostel im Stadtteil Laureles, der sehr authentisch und touristisch noch nicht besonders entwickelt ist, angekommen …

Viel mehr als ein kurzer Ausflug zum Essen fassen, in die nahe „Partymeile“ Carrera 70, durch die sich unzählige Kolumbianer (und nur sehr wenige Touristen) drängen, um die unzähligem Restaurants und Bars mit zu Leben füllen, war für uns an diesem Abend nicht mehr drin!

Am nächsten Tag ging es, mit der einzigen Metro Kolumbiens und dem ganzen Stolz Medellins, in den touristischsten und wie zu erwarten teuersten Stadtteil: El Poblado. Sehr viele Touristen, hippe Bars und Restaurants, fancy Hotels … ungefähr so könnte man diese Gegend beschreiben. Wir hatten uns eigentlich etwas Authentischeres erhofft und waren, vor allem vom hochgelobten und bekannten Parque Lleras (der auf jedem Foto, das wir vorab gesehen haben, voller Leben und wunderschön beleuchtet war) etwas enttäuscht. (Offensichtlich so enttäuscht, dass wir nicht mal ein Foto gemacht haben). Einfach zurück in die Carrera 70, da hat es uns besser gefallen 🙂

Um einen besseren Einblick in die interessante Geschichte der zweitgrößten Stadt Kolumbiens zu bekommen (um eines vorweg zu nehmen, da gibt es viel mehr als „nur“ Pablo Escobar) haben wir zwei Free Walking Tours gemacht. Bei der Ersten hat uns unser Guide Milo durch das Zentrum „La Candelaria“ geführt und „alles“ über Geschichte und Kultur erzählt – die vier Stunden sind wie im Flug vergangen. Zum Abschluss unseres Aufenthaltes in der Großstadt ging es mit Alejandro durch die berühmt berüchtigte Communa 13 …

Über viele Jahre hinweg war dieses ehemalige Elendsviertel an den Berghängen um das Stadtzentrum ein Schauplatz der Gewalt, des Drogenhandels und des Todes. Guerillas, Kartelle, paramilitärische Gruppierungen und das Militär haben jahrelang um die Macht im Viertel gekämpft. Viele tausende Unschuldige kamen ums Leben. Mit Gewalt versuchte die Regierung illegale Gruppierungen aus der Communa zu entfernen. Die Grausamkeiten fanden in der blutigen „Operation Orion“ in 2002 ihren Höhepunkt. Zwei Jahre später wurde ein neuer Bürgermeister gewählt, der das Blatt schließlich wendete. Es wurde viel Geld in die Infrastruktur, Bildung und Gesundheit investiert und wenn man heute durch die Gassen der Communa 13 wandert, kann seinen Augen kaum glauben. Über moderne Rolltreppen kann man heute, nur wenige Jahre später, über die Berghänge durch das Viertel fahren (ein Local nennt es ein „Wiedergutmachungsgeschenk“ der Regierung).  Was hier auf den Straßen passiert, versteht man unter „dem blühenden Leben“. Alles ist bunt, überall Musik und Tanz, die ausgelassene und fröhliche Stimmung der Einheimischen ist ansteckend. Sie sehen sich als Künstler und Überlebende und wollen der Welt zeigen, wieviel man doch verändern kann.

Vor nicht allzu langer Zeit galt diese Stadt noch als eine der gefährlichsten der Welt, an Tourismus war gar nicht zu denken. In den letzten Jahren hat sich hier sehr viel zum Besseren verändert. Es ist natürlich nicht alles perfekt – aber wir haben den Eindruck, Medellin und ganz Kolumbien ist auf einem sehr guten weg …

27.11.2019 – 01.12.2019

 

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